Was wäre, wenn es nur noch ETFs gäbe?

Trendthema ETF im Faktencheck

Börsengehandelte Indexfonds werden von der ETF-Industrie als die Geldanlage schlechthin bezeichnet: kostengünstig und genauso gut wie aktiv gemanagte Fonds. Aktive Manager halten dagegen: Die Möglichkeit, besser als der Index zu sein, hätten nur sie. Aber mal angenommen, es gäbe nur noch ETFs: Wie würde es die Finanzmärkte verändern? Und wäre das der Untergang der aktiven Manager?

Weltweit liegt der Marktanteil von ETFs bei 14 Prozent. Das hört sich noch nicht nach sehr viel an, doch das sind über 5 Billionen US-Dollar. Und der Markt wächst rasant: Allein in den letzten fünf Jahren hat er sich verdoppelt.

Der Finanzdatenspezialist Morningstar schätzt, dass schon 2024 die „Passiven“ die „Aktiven“ überholt haben könnten. Über mögliche Konsequenzen für die Finanzmärkte wird wohl auch wegen des noch relativ geringen Marktanteils bislang nur wenig diskutiert.

ETFs bieten freies Feld für Unternehmen

Würden alle Anleger jedoch nur noch in den passiven ETFs investieren, könnten Unternehmen, die es einmal in einen Index geschafft haben, relativ frei agieren. Zukunftsprognosen, Erfolgsaussichten oder auch die ethische Unternehmensführung würden unwichtig, denn die Indexfonds stehen immer als Abnehmer bereit, solange das Unternehmen im jeweiligen Index gelistet ist. Zudem würden die Kurse alle ähnlich verlaufen: Bei Kauf steigen die Kurse, bei Verkauf sinken sie. Alle mehr oder minder im Gleichschritt.

Qualitätsunterschiede zwischen den Unternehmen wären somit an der Börse kaum noch sichtbar. Denn: Jeder normale Aktionär kann eine einzelne Aktie verkaufen, wenn er mit den Entscheidungen des Vorstands oder der Unternehmensentwicklung unzufrieden ist. Indexfonds können das nicht. Es wird immer der gesamte Index gekauft, und damit werden auch Kurse von Unternehmen gepusht, deren wirtschaftlicher Erfolg zu wünschen übrig lässt. Mitgefangen, mitgehangen. Nicht mehr die Preise der Aktien bestimmen den Preis eines ETF, sondern umgekehrt. Die Folge: Die Preisbildung an den Märkten ist gestört.

Ein verzerrter Wettbewerb

Eine Verzerrung des Wettbewerbs wäre vor allem bei eng gefassten Branchenindizes denkbar. Man nennt das Common Ownership, wenn Aktien mehrerer Unternehmen einer Branche von nur wenigen Vermögensverwaltern gehalten werden – genau das wäre die Folge bei verstärkten ETF-Investments.

Für diese Eigentümer wäre ein motivierter Wettbewerb unter den Branchenteilnehmern verschwendete Energie. Denn gewinnt einer Marktanteile hinzu, heißt das unweigerlich, dass ein anderer desselben Eigentümers eben diese verliert. Der Anreiz, sich im Markt hervorzutun – zum Beispiel über Preis oder Produktqualität –, wäre schwach. Höhere Verbraucherpreise oder ein geringeres Angebot für den privaten Konsumenten könnten die Folge sein

Einfluss auf die Unternehmensstrategie

ETFs können also allein schon durch ihr pures Vorhandensein Unternehmensstrategien beeinflussen. Nun kann man dagegenhalten, dass auch ETFs aktiv werden können, denn sie haben genau wie jeder andere Eigentümer das Recht, auf Hauptversammlungen über wichtige Geschäftsentscheidungen abzustimmen.

Die Frage ist, wie stark sie das – als kosten- und damit aufwandsoptimiertes Produkt – überhaupt tun würden oder sollten. Das Problem, dass dann wenige Anbieter extrem viel Macht ausübten, bleibt zudem.

Chance für aktive Manager

Zugegeben: Diese Szenarien sind Zukunftsmusik, und es gibt keine wissenschaftliche Antwort darauf, ab welcher Gewichtung die Märkte ernsthaft beeinträchtigt wären. Und für aktive Fondsmanager offenbaren sich durch einen starken ETF-Markt auch Chancen.

Wenn Aktienkurse nicht mehr den „wahren“ Preis widerspiegeln, können realistische Unternehmensbewertungen nur durch Analyse und Research sichtbar werden. Aktive Manager suchen auch Unternehmen jenseits der Indizes und werden der Rolle, Geldgeber für vielversprechende Firmen, Geschäftsmodelle und Produkte zu sein, gerecht. Sie sind Sparringspartner und Korrektiv für Unternehmen. Klassische Fondsmanager könnten also sogar vom ETF-Boom profitieren. Denn wird Stockpicking nicht einfacher, wenn das Gros dem Mainstream folgt?

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