Mitarbeiter im Ehrenamt

Engagement in der evangelischen Kirche

Ehrenamt ist einfach

Wussten Sie, dass rund 14,89 Millionen Menschen in Deutschland in einem Ehrenamt aktiv sind? Das geht aus Umfragewerten der Plattform Statista hervor. Auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreissparkasse Schwalm-Eder engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich.

Anlass genug, Ihnen einmal die vielen unterschiedlichen Bereiche, Vereine und Ehrenämter vorzustellen. Den Auftakt gibt es heute, natürlich mit unserem Vorstandsvorsitzenden Herrn Thomas Gille.

Vorstandsvorsitzender Thomas Gille im Interview

Sie sind ehrenamtlich bei der evangelischen Kirche tätig. Welche Funktion haben Sie inne und welche Aufgaben gehören dazu?

Ich bin seit 1989 Mitglied des Kirchenvorstands der Kirchengemeinde in Melsungen, seit 1995 Mitglied der Kreissynode des Kirchenkreises Melsungen und seit 2004 Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Die Aufgaben sind dabei auf der jeweiligen Ebene höchst unterschiedlich.

Logo der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

Gemäß der Grundordnung – also quasi der „Verfassung“ der evangelischen Landeskirche, leiten die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher in gemeinsamer Verantwortung mit den Pfarrerinnen und Pfarrern die Gemeinde. So verantwortet der Kirchenvorstand die Gestaltung des Gottesdienstes, er achtet auf die Tradition der Sonn- und Feiertage, er verwaltet die kirchlichen Gebäude und entscheidet über deren Nutzung, er gestaltet den kirchlichen Haushalt, er vertritt die Gemeinde in der Öffentlichkeit und er wirkt bei der Besetzung von Pfarr- und anderen Stellen in der Gemeinde mit. Insbesondere auf den Ebenen Kirchenkreis und Landeskirche nehmen dabei natürlich die übergeordneten Themen zu und gerade im Bereich der Landessynode geht es in erster Linie um Fragen der Gesetzgebung und der Finanzen innerhalb der Kirche.

Welchen zeitlichen Rahmen nimmt Ihre Tätigkeit ein?

Der Aufwand unterliegt grundsätzlich starken Schwankungen im Jahresverlauf. Wenn ich es auf einen Monat umrechnen soll, dann komme ich auf einen Aufwand von gut 25 Stunden.

28 Jahre für die evangelische Kirche

Sie sind seit 28 Jahren dabei. Worin liegt Ihre Motivation?

Oh, hier muss ich wirklich nachdenken. Ich bin so erzogen worden, dass kein Mensch für sich allein lebt und der Dienst an der Gemeinschaft etwas Selbstverständliches für jeden sein sollte. Nur dann funktioniert ein Gemeinwesen wirklich, wenn sich auch alle als aktiver Teil des Ganzen sehen. Und so war es mir schon immer wichtig, mich zu engagieren und nicht nur zuzusehen. Von mir aus nennen Sie es auch christliche Verantwortung für den Mitmenschen und die Schöpfung. Das klingt dann aber gleich wieder so abgehoben. Ich habe verschiedene Gaben in die Wiege gelegt bekommen und die möchte ich nicht nur für mich, sondern auch für andere einsetzen. Nicht mehr und nicht weniger.

Sie investieren viel Arbeit in Ihr Ehrenamt. Was gibt Ihnen diese Tätigkeit zurück?

Es berührt mich, wenn sich durch mein Engagement Dinge zum Positiven verändern. Aufgrund meiner beruflichen Situation habe ich auch den Eindruck, dass mich die Mitarbeit in den kirchlichen Gremien in gewisser Weise „erdet“. Mein Berufsalltag ist naturgemäß von vielen Zahlen geprägt, während es im kirchlichen Umfeld vor allem um den Menschen und seine Bedürfnisse geht. Da tut es mir gut, den Kompass immer wieder mal neu ausrichten zu lassen.

Inwiefern hat Sie die Gemeinschaft innerhalb Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit geprägt?

Das ist schwer zu beantworten und können andere, die mich schon lange kennen, sicherlich besser beurteilen. Ich glaube jedoch, dass ich viele meiner Überzeugungen und Einstellungen meiner langjährigen Tätigkeit in diesem Bereich verdanke. Natürlich werden wir Menschen von den Dingen beeinflusst, mit denen wir uns umgeben bzw. beschäftigen.

Gut für die Gesellschaft

Welche gesellschaftliche Relevanz hat die Kirche und ihre Organisationen abseits jener Aufgaben wie zum Beispiel die Ausrichtung von Gottesdiensten?

Die Kirche prägt unsere gesamte abendländische Kultur und unser gesellschaftliches Miteinander. Von der Verfassung über den Wochenrhythmus und die kirchlichen Feiertage bis hin zu vielfältigen karitativen und diakonischen Einrichtungen: Die Kirche bestimmt unser Leben mehr, als wir es als moderne und aufgeklärte Menschen oft wahrnehmen oder wahrhaben wollen. Leider sinkt derzeit die Anzahl der Kirchenmitglieder aus den unterschiedlichsten Gründen.

Synode der evangelischen Kirche

Ich persönlich denke jedoch, dass wir damit sehr viel an sozialem „Kitt“ und gutem Miteinander verlieren und unsere Gesellschaft dadurch ärmer wird. Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft sind wichtig, damit das Zusammenleben funktioniert und nicht der Egoismus und das Recht des Stärkeren die alles dominierenden Kräfte werden.

Die kirchlichen Organisationen wie Diakonie, Kindergärten und Tafeln sind wichtige Träger unserer Gesellschaft. Für welche Bereiche wünschen Sie sich Neuerungen oder Unterstützung?

Während die Kirche als Institution und der sonntägliche Gottesdienst von den Menschen immer weniger wahrgenommen werden, werden gerade die Leistungen der Kirche im Bereich der Diakonie in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Für die Kirche ist es daher angezeigt, diese Leistungen auch positiv nach außen zu kommunizieren und im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern. Gerade die Diskussion um die Bedeutung der kirchlichen Feiertage und des Sonntags sollte uns wachrütteln und uns bewusst machen, was wir aufgeben, wenn wir auf dem derzeitigen Weg der „Entkirchlichung“ fortschreiten. Denn ohne Sonntage bewegen wir uns in die „Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft“ und das ist wahrlich für keinen von uns erstrebenswert.

Junge Menschen werden von der Kirche nicht mehr in derselben Form erreicht wie früher. Welche Neuerungen stellen Sie sich vor, um die junge Generation für die kirchliche Gemeinschaft zu begeistern?

Nach meiner Wahrnehmung hat die Kirche die Zeichen der Zeit an vielen Stellen erkannt und geht aktiv auf die junge Generation zu. Es gibt auch sehr viele Jugendliche, die sich in kirchlichen oder kirchennahen Initiativen engagieren und einbringen. Das ist allerdings ein Prozess, der immer wieder neu gedacht und gelebt werden muss. Die Angst um die Jugend ist allerdings schon so alt wie die Kirche selbst. Da ist meines Erachtens mehr Gelassenheit erforderlich.

Kirche als Berufsweg?

Welche einprägsamen Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer langjährigen Tätigkeit?

Da fallen mir eine ganze Reihe von Ereignissen oder Begegnungen ein. Die Erinnerungen daran sind jedoch nur im jeweiligen Kontext zu verstehen und würden daher den Rahmen unseres Interviews sprengen.

Haben Sie als junger Mensch je ein Theologie-Studium in Betracht gezogen, um sich hauptberuflich für die Kirche zu engagieren?

Während der gymnasialen Oberstufe habe ich tatsächlich eine Zeit lang mit dem Gedanken gespielt, aber wie man sieht, habe ich ihn dann nicht weiter verfolgt, sondern mich einem ganz anderen Aufgabengebiet zu gewandt. Allerdings sind es in beiden Bereichen vor allem auch die Begegnungen mit den Menschen, die die Arbeit spannend und wertvoll machen.

Vielen Dank, Herr Gille, für das Interview.

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